Heiliger Tarcisius

 

Patronat: Schutzheiliger der Ministranten
Gedenktag: 15. August
Namenserklärung: ursprünglich aus dem Griechischen stammend, aber lateinisiert. Bedeutung: der Mutige
Reliqien: Die leiblichen Überreste des Heiligen befinden sich in Rom
Darstellung: meist in altrömischer Knabentracht, die Hände über der Brust gekreuzt. Manchmal auch gehend, mit Palme, Steinen und Hostie als Zeichen seines bestandenen Martyriums

 

Legende des Heiligen Tarcisius

Wir schreiben das Jahr 64 nach Christus.
In einer Nische der Katakombe an der Via Appia ausserhalb der Stadt Rom gibt Vater Festus seiner Gemeinde den Segen. Er ist der Gemeindevorsteher der römischen Christengemeinde. Die Christen haben zusammen Abendmahl gefeiert. Sie haben zusammen das Brot gebrochen zum Andenken an Jesus. Die Christen haben Angst. Vor ein paar Wochen hat der grausame Kaiser Nero einen Teil der Stadt Rom anzünden lassen. Und jetzt lässt er das Gerücht verbreiten, die Christen hätten das Feuer gelegt. Wer sein Freund sein wolle, solle alle Christen anzeigen, die er kenne. Schon viele Christen sind deshalb in den Gefängnissen von Rom eingesperrt.

Tarcisius bekommt einen Auftrag

Vater Festus ruft nun ein paar der grösseren Buben zum Abendmahls-Tisch. Einer von ihnen heisst Tarcisius. Er ist zwölf Jahre alt. Vater Festus kennt die Familie von Tarcisius gut. Er weiss, dass Tarcisius ein gutes Herz hat, auch wenn sein Strubelkopf voller Streiche ist. Vater Festus schaut ihn jetzt an und sagt: "Hier, Tarcisius, nimm den kleinen Krug und das Tuchbündel mit dem gebrochenen Brot. Trag es sorgfältig unter deinem Umhang. Du weisst ja, es ist das heilige Brot. Geh heute abend zur kleinen dritten Strasse durch den Circus Maximus, Das ist von hier aus der nächste Weg. Im ersten Haus der Strasse warten Ursula und Linus auf dich. Übergib Linus das heilige Brot und den Wein. Die Alten und Kranken warten schon lange darauf. Mögen sie dadurch gestärkt werden. Richte auch Grüsse und Segenswünsche von mir und von uns allen aus. Du kannst bei Mutter Ursula Abend essen. Später bring das leere Krüglein und das Tuch zurück. So, nun geh im Frieden Christi." Tarcisius freut sich. Es ist nicht das erste Mal, dass er Jesus als stärkendes Brot zu den Kranken bringen darf. Er nimmt den kleinen Krug und das Tuchbündelchen an sich und macht sich mutig auf den Weg.

Der Spielverderber

In der Arena Circus Maximus herrscht noch viel Betrieb. Drei gleichaltrige Buben rufen Tarcisius zu: "Komm, wir brauchen einen vierten, sonst können wir nicht würfeln." Tarcisius kennt zwei davon. Er hat schon oft mit ihnen gespielt. "Ein anderes Mal gerne. Jetzt muss ich weiter. Ich werde erwartet", erwidert Tarcisius. Aulus, einer der drei, kommt auf Tarcisius zu und sagt: "Du, sei doch kein Spielverderber. Die warten doch..." Tarcisius aber bleibt nicht stehen. Er sagt kurz, aber bestimmt: "Heute nicht, Kameraden. Ich wünsche euch einen schönen Abend." Wütend ruft ihm Alanus zu "Du bist ein Feigling, Tarcisius! Und überhaupt, was trägst du eigentlich unter deinem Umhang? Das muss etwas Kostbares sein, dass du es so eilig hast. Wir wollen es sehen."

Tarcisius bewahrt sein Geheimnis

"Ich trage Brot und Wein mit mir!" erklärt Tarcisius. "Nun lasst mich gehen." Wütend reissen die drei dem Tarcisius den Umhang von den Schultern. Das Tonkrüglein mit dem Wein zerbricht am Boden. Tarcisius will wenigstens das heilige Brot beschützen. Ganz fest umklammert der Bub das Tuchbeutelchen in seiner Hand. Die drei andern lachen höhnisch. Sie rufen: "Wir wollen dir zeigen, was passiert, wenn einer so feige ist wie du." Sie schlagen Tarcisius und bewerfen ihn mit Steinen. Plötzlich liegt Tarcisius am Boden und blutet stark. Er rührt sich nicht mehr... Da rennen die drei Kameraden voller Panik davon. Sie lassen den Schwerverletzten einfach liegen. Spät in dieser Nacht findet Vater Festus den Buben. Er hat ihn gesucht. Tarcisius ist tot. In seiner Hand hält er immer noch den kleinen Tuchbeutel mit dem heiligen Brot. Vater Festus ist traurig und froh zugleich. Ein paar Tage später bekommt der kleine grosse Tarcisius ein Nischengrab in den Katakomben. Vater Festus betet: "Herr Jesus, wir bitten dich, gib uns allen den Mut und die Kraft, wie Tarcisius sie hatte. Dann brauchen wir uns auch vor den Soldaten des Kaisers Nero nicht mehr zu fürchten."

 

Quelle: frei nacherzählt von Pater Simon